Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihr Telefon ewig zum Aufladen braucht, während sich der Akku in anderen Fällen vor Ihren Augen auflädt, obwohl Sie dasselbe Gerät verwenden? Das ist keine Zauberei, sondern liegt an Unterschieden in der Leistung, den USB-Standards und den Kabeln. Wenn Sie verstehen, was „im Inneren” vor sich geht, können Sie dieses Thema ein für alle Mal klären und müssen nicht mehr raten, welcher Anschluss der bessere ist. Und die Zahlen, die Sie gleich sehen werden, könnten Sie wirklich überraschen.
Nicht alle USB-Anschlüsse sind gleich
Auf den ersten Blick sehen alle USB-Anschlüsse gleich aus, aber in Bezug auf die Stromversorgung können sie sich erheblich unterscheiden. Der klassische USB 2.0 liefert standardmäßig nur 100 mA bei 5 V. Erst nach der richtigen „Abstimmung” mit dem Gerät kann er den Strom auf etwa 500 mA erhöhen, also etwa 2,5 W. Für eine alte Maus oder einen USB-Stick ist das mehr als ausreichend, für ein modernes Smartphone jedoch eindeutig zu wenig für ein komfortables und schnelles Aufladen.
Beim neueren Standard USB 3.0 / USB 3.x erhöht sich der maximale Strom auf etwa 900 mA bei 5 V (etwa 4,5 W). Das klingt besser, bedeutet aber immer noch oft langsames Laden, insbesondere wenn wir an moderne Stromquellen gewöhnt sind, die mehrere Dutzend Watt liefern.
Warum lädt der Anschluss an einem Laptop oder Fernseher so langsam?

Hinzu kommt noch etwas: Hersteller von Laptops, Monitoren oder Fernsehern begrenzen oft absichtlich die Leistung der Anschlüsse. Der Grund dafür ist, dass sich die Geräte nicht erhitzen und stabil funktionieren sollen. Das Ergebnis? Das Laden funktioniert „irgendwie”, aber es ist deutlich langsamer als mit einem guten Netzladegerät. Mal ehrlich, wer hat noch nie sein Telefon an den Fernseher angeschlossen und nach einer Stunde festgestellt, dass der Akkustand fast unverändert ist?
Spezielle Anschlüsse zum Laden: Wenn USB mehr Leistung liefert
Um dies zu beheben, wurde die Spezifikation USB Battery Charging 1.2 (BC 1.2) eingeführt. Dank ihr gibt es nun Anschlüsse, die speziell zum Laden gedacht sind, wie DCP oder CDP, die bis zu 1,5 A bei 5 V liefern können, also etwa 7,5 W. Über solche Anschlüsse lädt sich das Telefon deutlich schneller auf als über einen normalen Datenanschluss am Laptop.
In der Praxis haben wir oft zwei USB-Anschlüsse nebeneinander, die gleich aussehen, aber einer von ihnen kann ein Vielfaches der Leistung des anderen liefern. Deshalb finden wir auf vielen Verlängerungskabeln, Ladegeräten oder Hubs kleine Bezeichnungen wie „Charge” oder ein Batteriesymbol – genau diese unterstützen in der Regel ein schnelleres Laden.
Das langsamste Gerät im Haus ist nicht das „alte Telefon“, sondern der unscheinbare USB-Anschluss, der nie für das Laden großer Akkus entwickelt wurde.
USB-C, Strommodus und Power Delivery – worum geht es dabei?
Das Aufkommen des USB‑C-Anschlusses hat vieles verändert, aber auch zu Chaos geführt. Die Form des Steckers sagt noch nichts über die Leistung aus. Im sogenannten USB‑C Current Mode kann der Anschluss sogar etwa 3 A bei 5 V liefern, also etwa 15 W. Das ist bereits eine durchaus akzeptable Ladegeschwindigkeit – vorausgesetzt, dass sowohl das Gerät als auch die Stromquelle diesen Modus nutzen können. In der Praxis haben viele Anschlüsse in Laptops oder Fernsehern dennoch niedrigere Beschränkungen.
Noch höher liegt USB Power Delivery (USB PD). In der neuesten Version USB PD 3.1 wurde der sogenannte Extended Power Range (EPR) eingeführt, der es ermöglicht, sogar etwa 240 W bei neuen Spannungspegeln wie 28 V, 36 V oder 48 V zu erreichen. Um so etwas nutzen zu können, braucht man natürlich kompatible Geräte, ein gutes Netzteil und ein Kabel, das den Anforderungen von USB‑C entspricht.
Wie sich verschiedene USB-Standards auf das Laden auswirken
| Standard/Port-Typ | Ungefähre maximale Leistung |
|---|---|
| USB 2.0 (Datenport) | Bis zu ca. 2,5 W (500 mA, 5 V) |
| USB Battery Charging 1.2 (DCP/CDP) | Bis zu ca. 7,5 W (1,5 A, 5 V) |
| USB-C Current Mode | Bis zu 15 W (3 A, 5 V) |
| USB Power Delivery (EPR) | Bis zu 240 W |
Aus meiner Sicht besteht das größte Problem darin, dass diese Unterschiede meist nicht sichtbar sind. Sie sehen zwei Anschlüsse, die beide gleich aussehen, und erst nachdem Sie Ihr Telefon angeschlossen haben, stellen Sie fest, dass der Ladezustand des Akkus an einem der beiden Anschlüsse schneller steigt. Wenn wir die wichtigsten Zahlen und Standards kennen, ist es viel einfacher, bewusst den richtigen Anschluss zu wählen und die ewige Frage „Warum lädt es so langsam?“ zu vermeiden.
Ein Kabel kann alles ruinieren (oder retten)
Selbst wenn Sie einen modernen Anschluss mit hoher Leistung haben, kann das USB-Kabel zum „Engpass“ werden. Ein Beispiel aus dem Alltag: Ihr Laptop unterstützt das Laden mit hoher Leistung, das Netzteil ebenfalls, aber Sie schließen alles mit einem Kabel an, das für etwa 60 Watt ausgelegt ist. Das Ergebnis? Das gesamte Set arbeitet auf einem niedrigeren Niveau, da die Kette immer am schwächsten Glied hängt.
Bei USB‑C-Kabeln kommt noch die Frage des sogenannten E‑Markers (EMCA) hinzu. Dabei handelt es sich um einen kleinen Chip, der das Kabel elektronisch „markiert“. Er ist insbesondere dann erforderlich, wenn das Kabel einen Strom von mehr als etwa 3 A übertragen oder schnelle Datenübertragungsmodi USB 3.x unterstützen soll. Wenn der E-Marker fehlt oder defekt ist, begrenzt die Stromquelle in der Regel die Leistung – und plötzlich ist das Schnellladen nicht mehr schnell, obwohl das Netzteil auf dem Papier hervorragend aussieht.
Was Sie bei der Auswahl eines Kabels und Anschlusses beachten sollten
- Stellen Sie sicher, dass der Anschluss Schnellladen unterstützt (z. B. BC 1.2, USB‑C, USB PD).
- Stellen Sie sicher, dass das USB-C-Kabel die angegebene Leistung hat und bei Bedarf Datenübertragung unterstützt.
- Versuchen Sie, Geräte, Ladegeräte und Kabel desselben oder eines kompatiblen Standards anzuschließen.
- Vermeiden Sie zufällige, sehr billige Kabel ohne klare Spezifikationen.
Meiner Meinung nach ist es am vorteilhaftesten, mindestens ein wirklich zuverlässiges Kabel und ein Ladegerät mit Leistungsreserve zu Hause zu haben. So muss ich nicht jedes Mal raten, ob mein Telefon langsam lädt, weil „es eben so ist“ oder weil ich einen schlechten Anschluss oder ein schwaches Kabel erwischt habe.
So überprüfen Sie selbst, welcher Anschluss am besten lädt
Wenn Sie ohne Spekulationen überprüfen möchten, was tatsächlich im Kabel vor sich geht, benötigen Sie einen einfachen USB-Leistungstester. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das zwischen den Anschluss und das Telefon angeschlossen wird. Auf dem Display sehen Sie Strom, Spannung und Leistung, sodass Sie sofort erkennen, ob der jeweilige USB-Anschluss nur zum Aufrechterhalten des Akkuladestands geeignet ist oder bereits eine angemessene Schnellladung ermöglicht.
Im täglichen Gebrauch ist nur eines wichtig: Um keine Zeit mit langsamem Laden zu verschwenden, reicht es aus, den Unterschied zwischen Anschlüssen, Standards und Kabeln zu verstehen. Wenn wir wissen, was USB 2.0 ist, wie es sich von USB 3.0 unterscheidet und wie USB‑C und USB Power Delivery funktionieren, ist es einfacher, das richtige USB-C-Kabel und den richtigen Anschluss auszuwählen, und dann funktionieren Ihr Telefon, Tablet oder Laptop einfach so, wie sie sollen, ohne unnötige Frustration.
